Beschaffung·7 min Lesezeit

Schrauben nach DIN: Arten und Normen im Überblick

Max Silanoglu
Max Silanoglu10/22/2026
Sortierte Schrauben, Muttern und Scheiben verschiedener DIN-Normen auf einer Werkbank

Eine Anfrage an einen neuen Lieferanten nennt "Schrauben DIN 912, M8x20", die Rückmeldung liefert ISO 4762. Für den Einkäufer sieht das nach einer Abweichung aus, tatsächlich ist es dasselbe Teil. Wer Schrauben beschafft, muss die gängigen DIN-Normen und ihr Verhältnis zu den aktuellen ISO-Bezeichnungen kennen, sonst drohen Missverständnisse in der Spezifikation und unnötige Rückfragen im Bestellprozess.

Kurz & knapp: DIN-Normen für Schrauben klassifizieren Kopfform, Antrieb und Gewindeart. Die gebräuchlichsten sind DIN 933 und 931 (Sechskant), DIN 912, 7991, 7984 und 6912 (Innensechskant) sowie DIN 571 und 84 (Holzschraube, Schlitz). Viele DIN-Nummern wurden formal durch ISO-Normen ersetzt, bleiben als Handelsbezeichnung aber weiter gebräuchlich.

Was sagt die DIN bei Schrauben aus?

Die DIN-Nummer einer Schraube legt Kopfform, Antriebsart, Gewindeprofil und meist auch die zulässigen Toleranzen fest. Zwei Schrauben mit identischer DIN-Nummer sind unabhängig vom Hersteller maßlich und mechanisch austauschbar, das ist der eigentliche Zweck der Normung.

Für die Beschaffung heißt das: Eine DIN-Nummer im Lastenheft ersetzt eine mehrseitige Zeichnung. Das funktioniert nur, wenn beide Seiten, Einkauf und Lieferant, dieselbe Norm meinen und nicht eine veraltete oder informell abgewandelte Version davon. Gerade bei Bestellungen über mehrere Ländergrenzen hinweg lohnt sich ein kurzer Abgleich, welche Norm der Lieferant tatsächlich fertigt.

Gewindeprüfung einer Schraube mit einer Gewindelehre

Welche DIN-Normen für Schrauben sind am gebräuchlichsten?

Die folgende Übersicht zeigt die in der Praxis am häufigsten nachgefragten DIN-Schraubennormen, sortiert nach Kopf- und Antriebstyp.

DIN-Norm

Kopfform

Antrieb

Typische Anwendung

DIN 933

Sechskant, Gewinde bis Kopf

Außensechskant

Allgemeiner Maschinenbau, kurze Klemmlängen

DIN 931

Sechskant, mit Schaft

Außensechskant

Klemmverbindungen mit definiertem Schaftbereich

DIN 912

Zylinderkopf

Innensechskant

Präzisionsbauteile, enge Bauräume

DIN 7991

Senkkopf

Innensechskant

Bündige Montage, sichtbare Oberflächen

DIN 7984

Zylinderkopf, niedrig

Innensechskant

Sehr flache Bauräume

DIN 6912

Zylinderkopf, niedrig, mit Bund

Innensechskant

Flache Bauräume mit erhöhter Kopfauflage

DIN 571

Sechskant

Außensechskant

Holzschraube, Befestigung in Holzwerkstoffen

DIN 84

Zylinderkopf

Schlitz

Leichte Verbindungen, ältere Baugruppen

DIN 603

Flachrund, mit Vierkantansatz

Kein Werkzeugantrieb, Vierkant verdrehsichert

Holz- und Blechverbindungen, z. B. im Möbel- und Landmaschinenbau

Was unterscheidet Sechskantschrauben nach DIN 933 und DIN 931?

DIN 933 hat ein durchgehendes Gewinde bis zum Kopf, DIN 931 dagegen einen glatten Schaftbereich unterhalb des Kopfes. Diese Unterscheidung ist relevant, sobald eine Verbindung auf einen definierten, gewindefreien Schaftdurchmesser angewiesen ist, etwa bei Scherbeanspruchung senkrecht zur Schraubenachse.

Bei kurzen Klemmlängen macht dieser Unterschied in der Praxis oft wenig aus, weshalb DIN 933 als durchgehend gewindete Variante die deutlich häufiger nachgefragte Norm ist. Bei längeren Schrauben und definierten Passungsanforderungen im Schaftbereich bleibt DIN 931 die richtige Wahl.

Welche DIN-Normen gelten für Schrauben mit Innensechskant?

Innensechskantschrauben (umgangssprachlich Inbusschrauben) decken mit vier gängigen DIN-Normen unterschiedliche Bauraum- und Optikanforderungen ab. DIN 912 mit vollem Zylinderkopf ist der Standardfall für den allgemeinen Maschinenbau. DIN 7991 mit Senkkopf wird gewählt, wenn die Schraube bündig mit der Oberfläche abschließen soll, etwa bei sichtbaren Bauteilen oder beweglichen Komponenten, an denen ein vorstehender Kopf stören würde.

DIN 7984 und DIN 6912 sind beides Varianten mit reduzierter Kopfhöhe für besonders flache Bauräume. Der praktische Unterschied liegt im Kragen unterhalb des Sechskants: DIN 6912 bietet dadurch eine etwas größere Auflagefläche als DIN 7984 bei vergleichbarer Bauhöhe.

Welche DIN gilt für Schrauben mit Schlitz oder Torx?

DIN 84 beschreibt die klassische Zylinderkopfschraube mit Schlitzantrieb, heute vor allem noch in älteren Baugruppen und leichten Anwendungen im Einsatz. Für Torx-Antriebe existiert keine eigenständige klassische DIN-Nummer im selben Sinn wie bei Sechskant oder Innensechskant. Torx-Ausführungen werden stattdessen meist als Antriebsvariante zu bestehenden ISO- oder DIN-Kopfformen angeboten, etwa als Torx-Variante zu einer Zylinderkopfschraube nach ISO 4762 (ehemals DIN 912). Bei einer Anfrage sollte deshalb neben der Kopfform immer der gewünschte Antrieb explizit benannt werden.

Eine Sonderstellung nimmt DIN 603 ein, die Flachrundschraube mit Vierkantansatz. Sie hat gar keinen Werkzeugantrieb am Kopf, stattdessen verhindert ein quadratischer Ansatz unterhalb des Kopfes das Mitdrehen der Schraube beim Anziehen der Mutter. Dieses Prinzip ist typisch für Holz- und Blechverbindungen im Möbel- und Landmaschinenbau, wo eine Werkzeugaufnahme auf der Kopfseite gar nicht zugänglich wäre.

Wie verhalten sich DIN-Normen zu den aktuellen ISO-Normen?

Ein Großteil der klassischen DIN-Schraubennormen wurde im Zuge der internationalen Harmonisierung formal durch ISO-Normen ersetzt. Die DIN-Bezeichnung bleibt in der Praxis dennoch als eingeführte Handelsbezeichnung gebräuchlich, weshalb beide Nummern nebeneinander kursieren.

Ehemalige DIN-Norm

Aktuelle ISO-Norm

Hinweis

DIN 933

ISO 4017

Bei einigen Gewindegrößen geänderte Schlüsselweite

DIN 931

ISO 4014

Bei einigen Gewindegrößen geänderte Schlüsselweite

DIN 912

ISO 4762

Feingewinde in ISO nicht durchgängig genormt

DIN 7991

ISO 10642

Teilweise abweichende Kopfhöhe und Kopfdurchmesser

DIN 7984 / DIN 6912

kein direktes ISO-Äquivalent

bleiben eigenständige nationale Normen

DIN 603

ISO 8677

Beide Bezeichnungen sind im Handel gleichermaßen gebräuchlich

In unseren Beschaffungsprojekten in Fernost sehen wir regelmäßig, dass Hersteller wahlweise die alte DIN- oder die neue ISO-Nummer auf Zeichnung und Angebot führen, teils sogar innerhalb derselben Fertigungslinie. Ein kurzer Abgleich beider Bezeichnungen im Wareneingang beugt Missverständnissen vor, besonders bei Schlüsselweiten, die sich zwischen DIN- und ISO-Fassung geändert haben.

Wie wählen Sie die richtige Schraubennorm für Ihre Beschaffung?

Vier Kriterien bestimmen die Wahl der passenden Norm: der verfügbare Bauraum, die geforderte Optik der sichtbaren Oberfläche, die Werkzeugverfügbarkeit beim Verarbeiter und die geforderte Festigkeitsklasse. Bauräume mit wenig Platz sprechen für Innensechskant-Varianten mit reduzierter Kopfhöhe, sichtbare Baugruppen eher für Senkkopfschrauben.

Das exakte Anzugsdrehmoment einer Schraubverbindung hängt nicht allein von der DIN-Nummer ab, sondern zusätzlich von Festigkeitsklasse, Gewindegröße und Reibungskoeffizient der Oberfläche. Die systematische Berechnung dafür liefert die VDI-Richtlinie 2230 zu hochbeanspruchten Schraubenverbindungen. Passend zur gewählten Schraubennorm sind zudem die Gewindetoleranzen und Gewindearten relevant, da sie festlegen, wie präzise Innen- und Außengewinde ineinandergreifen müssen.

Anforderung

Empfohlene Normfamilie

Sehr flacher Bauraum

DIN 7984 oder DIN 6912

Bündige, sichtbare Montage

DIN 7991

Allgemeiner Maschinenbau, kein Platzproblem

DIN 912 oder DIN 933

Definierter, gewindefreier Schaftbereich nötig

DIN 931

Befestigung in Holzwerkstoffen

DIN 571

Wo auf der Zeichnung keine gesonderte Toleranz angegeben ist, gelten die Allgemeintoleranzen nach ISO 2768. Für die Passung von Schraube und Bohrung im Bauteil selbst ist häufig zusätzlich die H7-Passung die maßgebliche Referenz.

Ergänzend legen die Form- und Lagetoleranzen fest, wie genau die geometrische Lage der Gewindebohrung selbst eingehalten werden muss. Einen Überblick über die internationale Normungsarbeit selbst liefert die International Organization for Standardization (ISO), die zentrale Anlaufstelle für die deutschen Normen bleibt das Deutsche Institut für Normung.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet DIN 933 bei Schrauben?

DIN 933 bezeichnet eine Sechskantschraube mit Gewinde bis zum Kopf, ohne glatten Schaftbereich. Sie ist formal durch ISO 4017 ersetzt, die DIN-Bezeichnung bleibt aber als Handelsname gebräuchlich.

Was bedeutet DIN 912 bei Schrauben?

DIN 912 bezeichnet eine Zylinderkopfschraube mit Innensechskant, die häufigste Innensechskant-Norm im allgemeinen Maschinenbau. Sie ist formal durch ISO 4762 ersetzt.

Was bedeutet DIN 931 bei Schrauben?

DIN 931 bezeichnet eine Sechskantschraube mit definiertem, gewindefreiem Schaftbereich unterhalb des Kopfes, im Unterschied zur durchgehend gewindeten DIN 933. Sie ist formal durch ISO 4014 ersetzt.

Welche DIN haben Torx-Schrauben?

Für Torx existiert keine eigenständige klassische DIN-Nummer. Torx wird meist als Antriebsvariante zu bestehenden Kopfformen wie DIN 912 beziehungsweise ISO 4762 angeboten und sollte bei der Anfrage separat spezifiziert werden.

Welche DIN für Schrauben sollte ich in einer Anfrage nennen?

Nennen Sie die DIN-Nummer und ergänzend die aktuelle ISO-Bezeichnung, sofern vorhanden. Das vermeidet Missverständnisse bei Lieferanten, die intern bereits auf die ISO-Fassung umgestellt haben.

Fazit: Die richtige DIN-Norm sichert eine reibungslose Schraubenbeschaffung

Wer Kopfform, Antrieb und die aktuelle ISO-Entsprechung einer DIN-Schraubennorm kennt, vermeidet Rückfragen und Fehllieferungen im Beschaffungsprozess. Die Normfamilie ist dabei kein akademisches Detail, sondern die Grundlage jeder präzisen Anfrage an einen Lieferanten.

Line Up unterstützt Sie bei der Beschaffung von Schrauben und Normteilen nach DIN und ISO aus zuverlässigen Fernost-Fertigungen, inklusive Abgleich der korrekten Normbezeichnung mit dem Hersteller. 👉 Vereinbaren Sie ein unverbindliches Beratungsgespräch.

Ihr Einkauf von morgen

Zuverlässig produzieren.

Ihre Anforderungen sind individuell. Unsere Lösungen auch. Lassen Sie uns darüber sprechen.

Gespräch vereinbaren →