Ein Lieferant aus China schickt ein Angebot über 10.000 US-Dollar für eine Containerladung Bauteile, und die Kalkulation für den Einkauf muss stehen, bevor die Bestellung rausgeht. Was an Zoll und Einfuhrumsatzsteuer tatsächlich hinzukommt, ergibt sich erst aus drei konkreten Werten.
Kurz & knapp: Zollgebühren für China-Importe setzen sich aus dem Zoll (Zollwert × Zollsatz nach Zolltarifnummer) und der Einfuhrumsatzsteuer (19 oder 7 Prozent auf Zollwert plus Zoll) zusammen. Die zum 1. Juli 2026 entfallene 150-Euro-Freigrenze betrifft dabei nur private Kleinsendungen, nicht die gewerbliche Beschaffung.
Zollgebühren, amtlich auch Einfuhrabgaben genannt, bestehen bei gewerblichen Importen aus China aus zwei getrennt berechneten Abgaben: dem Zoll selbst und der Einfuhrumsatzsteuer. Beide bauen auf demselben Ausgangswert auf, dem Zollwert der Sendung, unterscheiden sich aber in Satz und Berechnungsgrundlage.
Der Zoll ergibt sich aus Zollwert multipliziert mit dem Zollsatz, der von der Zolltarifnummer der Ware abhängt. Die Einfuhrumsatzsteuer wird anschließend auf den Zollwert zuzüglich des bereits berechneten Zolls erhoben. Bei bestimmten Warengruppen aus China, etwa Elektrofahrzeugen, Stahlerzeugnissen oder Solarmodulen, erhebt die EU zusätzlich Antidumping- oder Ausgleichszölle, die den regulären Satz deutlich übersteigen können und vor der Bestellung geprüft werden sollten.
Der Zollwert ist laut Zollverwaltung die Bemessungsgrundlage für die Zollschuld und in der Regel auch für die Einfuhrumsatzsteuer. Er umfasst nicht nur den reinen Warenwert aus der Rechnung, sondern auch Transport- und Versicherungskosten bis zur EU-Außengrenze.
In unseren Beschaffungsprojekten sehen wir regelmäßig, dass Einkäufer nur den Rechnungswert der Ware ansetzen und die Frachtkosten bis zum EU-Grenzübergang vergessen. Bei Seefracht aus Fernost macht das oft mehrere Hundert Euro Unterschied in der Zollwertberechnung, gerade wenn die Fracht separat abgerechnet wird. Wie sich der Zollwert im Detail zusammensetzt, haben wir im Beitrag zur Zollwertermittlung ausführlich erklärt.
Der Zollsatz richtet sich nach der Zolltarifnummer der Ware, wobei das Herkunftsland darüber entscheidet, welches Zollsatz-Regime dabei greift. Für China als Drittland ohne Präferenzabkommen mit der EU gilt grundsätzlich der reguläre Drittlandszollsatz aus dem gemeinsamen Zolltarif. Je nach Warengruppe liegt dieser zwischen 0 Prozent für bestimmte Rohstoffe und über 20 Prozent für einzelne Fertigwaren.
Den exakten Zolltarif für eine konkrete Ware ermitteln Sie über die TARIC-Datenbank der EU-Kommission, in die Sie die Zolltarifnummer eingeben. Genau diese Nummer gehört auch in die Zollerklärung, die bei der Einfuhr abzugeben ist. Eine falsch zugeordnete Zolltarifnummer führt entweder zu einem zu niedrig kalkulierten Zoll, der bei einer Zollprüfung nachgefordert wird, oder zu einem unnötig hohen Zollsatz, der die Kalkulation verschlechtert, ohne dass es auffällt.
Nein, die seit dem 1. Juli 2026 entfallene 150-Euro-Freigrenze betraf ausschließlich private Postsendungen im Distanzhandel und das IOSS-Verfahren, seither gilt dafür eine Zollpauschale von 3 Euro pro Warenkategorie unabhängig vom Warenwert. Für die gewerbliche Beschaffung ändert sich dadurch praktisch nichts, denn die reguläre Berechnung aus Zollwert, Zollsatz und Einfuhrumsatzsteuer gilt unabhängig vom Bestellwert ohnehin bereits ab dem ersten Euro. Einen vollständigen Überblick über diese und weitere aktuelle Zollregeln liefert unser Beitrag zu den Importbestimmungen 2026.
Die Einfuhrumsatzsteuer wird laut Zollverwaltung grundsätzlich auf den Zollwert erhoben, wobei in bestimmten Fällen weitere Kosten hinzugerechnet werden, insbesondere der bereits ermittelte Zoll selbst. Es gelten dieselben Sätze wie bei der regulären Umsatzsteuer: 19 Prozent als Regelsteuersatz, 7 Prozent ermäßigt für bestimmte Warengruppen wie Bücher oder bestimmte Lebensmittel.
Anders als der Zoll ist die Einfuhrumsatzsteuer für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen in der Regel als Vorsteuer erstattungsfähig und damit liquiditäts-, aber nicht kostenwirksam. Der Zoll selbst bleibt dagegen immer eine echte Kostenposition in der Kalkulation.
Merkmal | Zoll | Einfuhrumsatzsteuer |
|---|---|---|
Bemessungsgrundlage | Zollwert | Zollwert + Zoll |
Satz | 0 % bis über 20 %, je nach Zolltarifnummer | 19 % (Regelsatz) oder 7 % (ermäßigt) |
Vorsteuerabzug möglich | Nein | Ja, bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen |
Kostenwirksam in der Kalkulation | Immer | Nur ohne Vorsteuerabzugsberechtigung |
Angenommen, eine Bauteillieferung hat einen Rechnungswert von 10.000 Euro, die Seefracht bis zum EU-Hafen kostet 800 Euro, und die Zolltarifnummer der Ware entspricht einem Zollsatz von 6 Prozent:
Position | Betrag |
|---|---|
Warenwert (Rechnung) | 10.000 € |
+ Fracht- und Versicherungskosten bis EU-Grenze | 800 € |
= Zollwert | 10.800 € |
Zoll (6 % auf Zollwert) | 648 € |
Bemessungsgrundlage EUSt (Zollwert + Zoll) | 11.448 € |
Einfuhrumsatzsteuer (19 %) | 2.175 € |
Gesamtabgaben (Zoll + EUSt) | 2.823 € |
Die Einfuhrumsatzsteuer ist hier mit 2.175 Euro der größte Einzelposten, aber bei Vorsteuerabzugsberechtigung erstattungsfähig. Kostenwirksam für die Kalkulation bleiben die 648 Euro Zoll.
Die wirksamste Stellschraube ist die korrekte Zolltarifnummer, denn eine zu grobe oder falsche Einordnung kostet in beide Richtungen: zu hoch angesetzt zahlen Sie unnötig Zoll, zu niedrig angesetzt drohen Nachforderungen samt Säumniszuschlägen bei einer späteren Prüfung. Neben der Zolltarifnummer lohnt sich vor jeder größeren Bestellung ein Blick auf:
die genaue Zolltarifnummer statt einer bequemen Sammelposition
mögliche Antidumping- oder Ausgleichszölle für die jeweilige Warengruppe
die realistische Einbeziehung von Fracht- und Versicherungskosten in den Zollwert
weitere Einfuhrauflagen wie CE-Kennzeichnung, die parallel zu den Zollkosten anfallen
Da sich Zollsätze und Ausnahmeregelungen im Zuge laufender EU-Zollreformen ändern können, lohnt sich zusätzlich eine regelmäßige Überprüfung der einmal festgelegten Zolltarifierung, statt sie nur bei der Erstbestellung zu prüfen.
Bei international gehandelten Baugruppen mit mehreren plausiblen Tarifpositionen lohnt sich ein zweiter Blick auf die gewählte Zolltarifnummer besonders: Eine zu breit gefasste Sammelposition mit höherem Zollsatz fällt oft jahrelang nicht auf, während eine präzisere, spezifischere Nummer für dasselbe Bauteil dauerhaft einen niedrigeren Satz bedeuten kann. Zusätzlich lohnt sich vor der Bestellung ein Blick in die Importbestimmungen 2026, um Zollgebühren nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit CE-Kennzeichnung, Produktsicherheit und weiteren Einfuhrauflagen zu kalkulieren.
Auch die Wahl des Frachtwegs wirkt sich indirekt aus, da Fracht- und Versicherungskosten in den Zollwert einfließen. Details zu Laufzeiten und Kosten der Seefracht von China nach Deutschland helfen, diesen Teil der Kalkulation realistisch zu planen, statt ihn nachträglich zu korrigieren.
Das lässt sich nicht pauschal beziffern, da der Zollsatz von der Zolltarifnummer der Ware abhängt und zwischen 0 Prozent und über 20 Prozent liegen kann. Der Zoll selbst berechnet sich aus Zollwert multipliziert mit diesem Satz.
Zu Zoll und Einfuhrumsatzsteuer addiert sich in der Praxis: der Zoll aus Zollwert mal Zollsatz, plus 19 oder 7 Prozent Einfuhrumsatzsteuer auf Zollwert und Zoll zusammen. Ein Rechenbeispiel dazu finden Sie oben im Beitrag.
Nein. Beide Regelungen betreffen ausschließlich private Postsendungen im Distanzhandel und Einfuhren über das IOSS-Verfahren, nicht die gewerbliche Beschaffung. Für gewerbliche Bestellungen gilt die reguläre Berechnung aus Zollwert, Zollsatz und Einfuhrumsatzsteuer unabhängig vom Bestellwert bereits ab dem ersten Euro.
Wer Zollgebühren für China-Importe realistisch kalkulieren will, braucht drei Werte: den korrekt ermittelten Zollwert, den zur Zolltarifnummer passenden Zollsatz und die Einfuhrumsatzsteuer auf beide Positionen zusammen, unabhängig von aktuellen Schlagzeilen zu Freigrenzen für private Kleinsendungen. Wer sich darüber hinaus einen Überblick über die gesamte Einfuhr verschaffen möchte, findet die grundlegenden Schritte in unserem Leitfaden zum Import aus China.
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