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Schweißnahtsymbole: Aufbau, Bedeutung und Positionierung

Max Silanoglu
Max Silanoglu8/27/2026
Prüfung einer technischen Zeichnung mit Schweißnahtsymbol

Eine Fertigungszeichnung aus Fernost zeigt ein Schweißnahtsymbol, das im eigenen Unternehmen so noch niemand gesehen hat. Ob die Naht wie gefordert ausgeführt wurde, lässt sich ohne das Schweißnahtsymbol korrekt zu lesen nicht beurteilen, selbst wenn das fertige Bauteil auf den ersten Blick unauffällig aussieht.

Kurz & knapp: Schweißnahtsymbole nach DIN EN ISO 2553 bestehen aus Pfeillinie, Bezugslinie und dem eigentlichen Nahtsymbol. Die Bezugslinie setzt sich aus einer durchgezogenen und einer gestrichelten Linie zusammen: Steht das Symbol auf der durchgezogenen Linie, liegt die Naht auf der Pfeilseite, steht es auf der gestrichelten Linie, liegt sie auf der gegenüberliegenden Seite. Links vom Symbol gibt das A-Maß die Nahtdicke an.

Was ist ein Schweißnahtsymbol?

Ein Schweißnahtsymbol ist die normierte grafische Kurzform, mit der eine Schweißverbindung auf einer technischen Zeichnung eindeutig beschrieben wird, ohne die Naht selbst zeichnerisch darstellen zu müssen. Geregelt wird die Symbolik in DIN EN ISO 2553, die für Schweiß- und verwandte Prozesse die symbolische Darstellung auf Zeichnungen festlegt.

Für Einkäufer ist das Schweißnahtsymbol relevant, weil es bereits vor der Fertigung festlegt, welche Nahtart, welche Nahtdicke und welche Ausführungsseite gefordert sind. Wer das Symbol falsch liest, kann eine korrekt ausgeführte Naht fälschlich als Abweichung einstufen oder umgekehrt eine tatsächliche Abweichung übersehen. Das gilt unabhängig davon, ob die Konstruktion selbst im eigenen Haus oder beim Hersteller entstanden ist, denn das Symbol bleibt die verbindliche Referenz für beide Seiten.

Detailansicht eines Schweißnahtsymbols mit Pfeillinie und Bemaßung

Wie ist ein Schweißnahtsymbol aufgebaut?

Ein vollständiges Schweißnahtsymbol besteht aus drei Grundelementen: der Pfeillinie, der Bezugslinie und dem eigentlichen Nahtsymbol, ergänzt um optionale Zusatzangaben wie Maße oder Anzahl der Nähte.

Element

Funktion

Pfeillinie

Zeigt auf die Stelle am Bauteil, an der geschweißt wird

Bezugslinie (durchgezogen + gestrichelt)

Trägt das Symbol und legt die Seite der Naht fest

Nahtsymbol

Beschreibt die Nahtart (z. B. Kehlnaht, Stumpfnaht)

Zusatzangaben

Nahtdicke (A-Maß), Länge, Anzahl, Nahtoberfläche

In unseren Qualitätsprüfungen bei Fernost-Lieferanten sehen wir häufig, dass Zusatzangaben zur Nahtoberfläche oder Nahtlänge auf der Zeichnung fehlen, obwohl das Grundsymbol korrekt gesetzt ist. Ohne diese Angaben bleibt Spielraum für Auslegung beim Hersteller, gerade bei sichtbaren Nähten an Gehäusen oder Verkleidungen.

Die Nahtoberfläche wird dabei durch ein eigenes Zusatzzeichen am Symbol markiert, etwa eine flache Linie für eine bündig abgearbeitete Naht. Fehlt dieses Zusatzzeichen, gilt die Naht in ihrem natürlichen, unbearbeiteten Zustand als ausreichend, was bei sichtbaren Bauteilen selten der gewünschten Optik entspricht.

Was bedeutet die Position des Symbols auf der Bezugslinie?

Die Bezugslinie besteht aus zwei parallelen Linien, einer durchgezogenen und einer gestrichelten. Steht das Nahtsymbol auf der durchgezogenen Linie, liegt die Naht auf der Seite, zu der die Pfeillinie zeigt, der sogenannten Pfeilseite. Steht es auf der gestrichelten Linie, liegt die Naht auf der gegenüberliegenden Seite des Bauteils.

Diese Unterscheidung ist besonders bei einseitig zugänglichen Bauteilen relevant, etwa bei geschlossenen Profilen, wo die Naht nur von einer Seite ausgeführt werden kann. Wird die Seite falsch gelesen, wird unter Umständen an einer Stelle geschweißt, die konstruktiv gar nicht dafür vorgesehen war.

Ist eine Verbindung beidseitig zu schweißen, stehen zwei Symbole gleichzeitig an der Bezugslinie, eines oberhalb und eines unterhalb, jeweils auf der durchgezogenen und der gestrichelten Linie. Beide Seiten müssen dabei nicht zwingend dieselbe Nahtart oder Nahtdicke aufweisen, auch das lässt sich anhand der beiden Symbole eindeutig unterscheiden.

Welche Grundsymbole gibt es für Schweißnähte?

Jedes Grundsymbol steht für eine bestimmte Nahtart und wird auf der Bezugslinie platziert. Die gebräuchlichsten Symbole sind:

Nahtart

Symbolform

Typischer Einsatz

Kehlnaht

Rechtwinkliges Dreieck

Eckverbindungen, überlappende Bauteile

Stumpfnaht (I-Naht)

Zwei parallele Linien

Stumpf aneinanderstoßende Bleche gleicher Dicke

HV-Naht

V-förmiges Symbol mit einer Schräge

Halb V-vorbereitete Stumpfnähte

V-Naht

V-förmiges Symbol

Beidseitig angeschrägte Stumpfnähte

In einem unserer Sourcing-Projekte wurde eine Kehlnaht mit dem Symbol für eine HV-Naht verwechselt, weil beide auf den ersten Blick ähnlich wirken. Das hätte bei der Abnahme zu einer falschen Erwartung an die Nahtdicke geführt, wäre der Unterschied nicht vorab mit dem Hersteller geklärt worden.

Was bedeutet das A-Maß beim Schweißnahtsymbol?

Das A-Maß gibt die Nahtdicke an und steht links vor dem eigentlichen Nahtsymbol auf der Bezugslinie. Bei Kehlnähten entspricht es der Höhe des größten einbeschriebenen Dreiecks im Nahtquerschnitt, nicht der äußeren Sichtbreite der Naht.

Fehlt das A-Maß auf der Zeichnung, bleibt die Nahtdicke unbestimmt, selbst wenn die Nahtart über das Schweißnahtsymbol klar erkennbar ist. Für tragende oder ermüdungsbeanspruchte Verbindungen sollte das A-Maß deshalb nie fehlen, unabhängig davon, wie eindeutig die restliche Konstruktion erscheint. Bei mehreren gleichartigen Nähten am selben Bauteil genügt es in der Regel, das A-Maß einmal anzugeben und die übrigen Nähte darauf zu referenzieren, sofern die Zeichnung diesen Bezug eindeutig herstellt.

In der Zusammenschau ergibt sich daraus ein vollständig lesbares Symbol, etwa in diesem Beispiel für eine 4 Millimeter dicke Kehlnaht auf der Pfeilseite:

Bestandteil im Beispiel

Bedeutung

Pfeillinie zeigt auf eine Bauteilkante

Ort der Schweißnaht

Zahl "4" links vom Symbol

A-Maß: 4 mm Nahtdicke

Dreiecksymbol auf der durchgezogenen Linie

Kehlnaht, auszuführen auf der Pfeilseite

Kein Zusatzzeichen zur Oberfläche

Naht bleibt unbearbeitet, keine Nachbearbeitung gefordert

Was gilt, wenn auf der Zeichnung kein Schweißnahtsymbol angegeben ist?

Fehlt ein Schweißnahtsymbol vollständig, obwohl eine Schweißverbindung vorgesehen ist, gibt es dafür keinen automatisch geltenden Ersatzwert, anders als bei den Allgemeintoleranzen nach ISO 2768, die ohne Sonderangabe greifen. Nahtart, Nahtdicke und Ausführungsseite müssen für jede Schweißverbindung aktiv festgelegt werden.

Ähnlich verhält es sich mit der geometrischen Lage einer Naht am Bauteil: Auch dafür gelten ergänzend die Form- und Lagetoleranzen, sofern die Zeichnung keine eigene Angabe dazu enthält.

Wie prüfen Sie ein Schweißnahtsymbol bei der Wareneingangsprüfung?

Bei der Wareneingangsprüfung wird die ausgeführte Naht gegen das auf der Zeichnung geforderte Symbol abgeglichen, nicht gegen einen allgemeinen optischen Eindruck. Geprüft werden dabei vor allem Nahtart, die Seite der Ausführung und, soweit messbar, das A-Maß.

Bei einem vollständigen Abnahmeprüfzeugnis 3.1 gehört der Bezug auf das geforderte Schweißnahtsymbol zum Mindestumfang, den Sie vor der Freigabe abgleichen sollten. Ergänzende Hinweise zur praktischen Anwendung der Symbolik bietet auch das technische Regelwerk des DVS, eine internationale Einordnung liefert der englischsprachige Überblick des Welding Institute (TWI) zu Schweißsymbolen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Schweißnahtsymbol?

Ein Schweißnahtsymbol ist die normierte grafische Darstellung einer Schweißverbindung auf einer technischen Zeichnung nach DIN EN ISO 2553. Es beschreibt Nahtart, Nahtdicke und die Seite, auf der geschweißt wird.

Wie wird das A-Maß einer Schweißnaht gemessen?

Das A-Maß entspricht bei Kehlnähten der Höhe des größten einbeschriebenen Dreiecks im Nahtquerschnitt. Es steht links vom Nahtsymbol auf der Zeichnung und muss dort explizit angegeben sein.

Welche Schweißnaht gibt es und wie unterscheide ich die Symbole?

Die gebräuchlichsten Grundsymbole sind Kehlnaht (Dreieck), Stumpfnaht beziehungsweise I-Naht (zwei parallele Linien) sowie V- und HV-Naht (V-förmige Symbole). Die genaue Form entscheidet über die Nahtvorbereitung, die gefordert ist.

Was bedeutet eine gestrichelte Bezugslinie beim Schweißnahtsymbol?

Steht das Nahtsymbol auf der gestrichelten Linie der Bezugslinie, liegt die geforderte Naht auf der Seite gegenüber der Pfeilspitze, nicht auf der Seite, zu der der Pfeil direkt zeigt.

Fazit: Schweißnahtsymbole richtig lesen schützt vor Fehlinterpretationen

Ein Schweißnahtsymbol legt Nahtart, Nahtdicke und Ausführungsseite bereits auf der Zeichnung fest, lange bevor die erste Naht geschweißt wird. Wer Pfeillinie, Bezugslinie und A-Maß korrekt liest, erkennt Abweichungen beim Wareneingang zuverlässig, statt sich auf den optischen Eindruck der fertigen Naht zu verlassen.

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