Eine Zeichnung mit engen Formtoleranzen ist nur so viel wert wie die Prüfmittel, mit denen ihre Einhaltung nachgewiesen wird. Ein Messschieber erfasst einzelne Längen, eine Koordinatenmessmaschine dagegen erfasst ein Bauteil vollständig als dreidimensionalen Punktehaufen und vergleicht ihn mit dem CAD-Modell.
Kurz & knapp: Eine Koordinatenmessmaschine (KMG) tastet ein Bauteil mit einem Messtaster in drei Raumachsen ab und ermittelt daraus Maße, Form- und Lageabweichungen mit Genauigkeiten im Mikrometerbereich. Es gibt verschiedene Bauarten, von der klassischen Portal-KMG über Ausleger- und Horizontalarm-Maschinen bis zu handgeführten Messarmen. Für Einkäufer ist relevant, dass ein KMG-Prüfbericht nur so aussagekräftig ist wie die angegebenen Messpunkte, Toleranzen und die Kalibrierung der Maschine selbst.
Eine Koordinatenmessmaschine, kurz KMG, ist ein Messgerät, das die Position von Punkten auf einer Bauteiloberfläche in einem dreidimensionalen Koordinatensystem erfasst. Aus der Menge dieser Messpunkte errechnet die zugehörige Software Maße, Winkel, Abstände sowie Form- und Lageabweichungen und vergleicht sie direkt mit den Sollwerten aus dem CAD-Modell.
Der Name KMG hat sich im deutschen Sprachgebrauch neben der ausgeschriebenen Bezeichnung Koordinatenmessmaschine als gängige Abkürzung durchgesetzt. International ist der Begriff CMM (Coordinate Measuring Machine) üblich.
Ein Messtaster, meist ein kugelförmiger Rubintaster, berührt das Bauteil an definierten Stellen oder fährt seine Kontur kontinuierlich ab. Jeder Kontaktpunkt liefert eine Koordinate im X-Y-Z-Raum, die die Steuerung an die Auswertesoftware weitergibt.
In unserer Praxis bei der Qualitätssicherung von Bauteilen aus Fernost sehen wir häufig, dass ein KMG-Prüfbericht zwar Messwerte ausweist, aber die angetasteten Punkte selbst nicht dokumentiert. Ohne diese Information lässt sich später kaum nachvollziehen, ob tatsächlich die kritischen Stellen der Zeichnung geprüft wurden oder nur eine Stichprobe an leicht zugänglichen Flächen.
Die Software errechnet aus den erfassten Punkten geometrische Elemente wie Kreise, Ebenen oder Zylinder und vergleicht sie mit den im CAD-Modell hinterlegten Sollgeometrien. Aus der Abweichung entsteht der eigentliche Prüfbericht, der Maß-, Form- und Lagetoleranzen einzeln ausweist. In der Praxis zeigt der Bericht meist eine Tabelle mit Soll- und Istwert je Merkmal sowie der jeweiligen Abweichung. Häufig ergänzt eine farbcodierte Abweichungskarte den Bericht, in der Bereiche außerhalb der Toleranz sofort optisch auffallen.
Neuere Koordinatenmessmaschinen nutzen neben dem taktilen Taster zunehmend auch optische oder Laser-Sensoren, die berührungslos messen. Das eignet sich besonders für empfindliche Oberflächen oder sehr weiche Materialien, bei denen ein mechanischer Taster die Messung verfälschen könnte. Die VDI/VDE-Richtlinie 2617 Blatt 6 legt fest, wie die Genauigkeit solcher optisch antastenden Systeme geprüft und angegeben wird, da sich ihre Fehlerquellen von denen taktiler Systeme unterscheiden.
Die Bauart bestimmt, wie das Messvolumen mechanisch aufgespannt wird und wirkt sich direkt auf Genauigkeit, Bauteilgröße und Kosten aus.
Bauart | Aufbau | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
Portal-KMG | Beweglicher Portalrahmen über feststehendem Werkstücktisch | Standardanwendung, hohe Genauigkeit, mittlere bis große Bauteile |
Brücken-KMG | Ähnlich der Portalbauart, Brücke bewegt sich über feste Führungsschienen | Große, schwere Werkstücke |
Ausleger-KMG | Einseitig gelagerter Messarm, freier Zugang von drei Seiten | Kleinere Bauteile, beengte Platzverhältnisse |
Horizontalarm-KMG | Horizontal auskragender Messarm | Große, flache Bauteile, etwa Karosserieteile |
Handgeführte Messarme | Gelenkarm, manuell geführt | Flexible Messungen direkt in der Fertigung, auch außerhalb des Messraums |
Die Portal-Bauart ist im industriellen Umfeld am weitesten verbreitet, da sie die beste Kombination aus Genauigkeit, Messvolumen und Kosten bietet. Handgeführte Messarme opfern etwas Genauigkeit zugunsten von Flexibilität und lassen sich direkt an der Fertigungslinie statt im klimatisierten Messraum einsetzen.
Die erreichbare Messgenauigkeit hochwertiger Koordinatenmessmaschinen liegt im Bereich weniger Mikrometer, abhängig von Bauart, Messvolumen und Umgebungsbedingungen. Damit lassen sich auch die engen Toleranzklassen aus ISO 2768 und die geometrischen Form- und Lagetoleranzen zuverlässig prüfen, für die ein Messschieber oder eine Bügelmessschraube nicht mehr ausreicht.
In der Beschaffung erleben wir oft, dass Einkäufer eine KMG-Prüfung pauschal mit "geprüft und in Ordnung" gleichsetzen, ohne die tatsächlich erreichte Messunsicherheit der eingesetzten Maschine zu hinterfragen. Bei sehr engen Toleranzen kann die Messunsicherheit der Maschine selbst einen relevanten Anteil der zulässigen Toleranz aufbrauchen, was bei der Bewertung von Grenzwertfällen berücksichtigt werden sollte.
Temperatur spielt dabei eine größere Rolle als oft angenommen: Koordinatenmessmaschinen werden üblicherweise bei 20 °C kalibriert. Bereits geringe Abweichungen von dieser Referenztemperatur können die Messergebnisse messbar verfälschen, insbesondere bei großen Bauteilen aus Metall mit entsprechender Wärmeausdehnung.
Eine Koordinatenmessmaschine muss regelmäßig kalibriert werden, damit ihre Messwerte auf ein nationales Normal rückführbar bleiben, in Deutschland gepflegt von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) als nationalem Metrologieinstitut. Für Prüfberichte, die gegenüber Kunden oder Behörden Bestand haben sollen, ist eine Kalibrierung durch ein nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiertes Kalibrierlaboratorium, in Deutschland durch die DAkkS, der übliche Nachweis. Ohne diese Rückführbarkeit lässt sich im Streitfall nicht belegen, dass die angegebenen Messwerte tatsächlich der realen Bauteilgeometrie entsprechen.
Für Einkäufer, die Bauteile bei Fertigungspartnern in Fernost prüfen lassen, ist das ein konkreter Ansatzpunkt in der Anfrage. Ein Prüfbericht gewinnt erst dann an Aussagekraft, wenn er das Kalibrierdatum und die Rückführbarkeit der verwendeten Koordinatenmessmaschine mit ausweist, nicht nur die reinen Messwerte. Fehlt diese Angabe, lohnt sich eine gezielte Nachfrage beim Lieferanten, bevor der Prüfbericht als Freigabegrundlage akzeptiert wird.
Konkret sollte eine Anfrage folgende Punkte benennen:
Messpunkte: welche Merkmale der Zeichnung angetastet werden
Toleranzen: die zulässigen Abweichungen je Merkmal
Kalibrierdatum und Rückführbarkeit: der eingesetzten Koordinatenmessmaschine
Berichtsformat: Soll-Ist-Tabelle oder Abweichungskarte, je nach Bedarf
Der Zeit- und Kostenaufwand einer vollständigen KMG-Prüfung hängt stark von der Anzahl der Messpunkte ab. Eine einzelne Messung mit wenigen Merkmalen dauert oft nur wenige Minuten. Eine umfassende Erstbemusterung mit hunderten Punkten kann dagegen, je nach Bauteilkomplexität, mehrere Stunden Maschinenzeit beanspruchen.
Eine 2D-Messmaschine, oft auch als Messprojektor bezeichnet, erfasst Konturen nur in einer Ebene und eignet sich für flache Bauteile wie Stanzteile oder Blechzuschnitte. Eine echte 3D-Koordinatenmessmaschine erfasst dagegen alle drei Raumachsen gleichzeitig und kann damit auch komplexe, räumlich geformte Bauteile vollständig prüfen, etwa Gussteile oder gefräste Komponenten mit Bohrungen und Freiformflächen.
Für Bauteile mit engen Form- und Lagetoleranzen, komplexen Freiformflächen oder sicherheitsrelevanter Funktion reicht eine rein visuelle oder manuelle Wareneingangsprüfung meist nicht aus, um eine verlässliche Aussage über die Maßhaltigkeit zu treffen. In solchen Fällen lohnt es sich, bereits in der Anfrage eine KMG-Prüfung mit definierten Messpunkten und einen entsprechenden Prüfbericht als Lieferbedingung festzulegen. Ob ein Fertigungspartner überhaupt eigene KMG-Kapazität besitzt oder die Prüfung extern vergibt, lässt sich auch im Rahmen eines Lieferantenaudits klären, bevor die ersten Bauteile bestellt werden.
Bei einfacheren, unkritischen Teilen mit großzügigen Toleranzen ist eine vollständige KMG-Prüfung dagegen oft unverhältnismäßig, hier reichen klassische Prüfmittel und eine stichprobenartige Kontrolle aus. Eine sinnvolle Faustregel ist, die Prüftiefe an die Kritikalität des Merkmals zu koppeln: sicherheitsrelevante Passmaße rechtfertigen eine vollständige KMG-Vermessung, unkritische Außenmaße oft nicht.
KMG steht für Koordinatenmessgerät und wird umgangssprachlich gleichbedeutend mit Koordinatenmessmaschine verwendet. International wird meist die Abkürzung CMM (Coordinate Measuring Machine) verwendet.
Hochwertige Koordinatenmessmaschinen erreichen Messgenauigkeiten im Bereich weniger Mikrometer, abhängig von Bauart, Messvolumen und Umgebungsbedingungen wie Temperatur.
Die Portal-KMG ist im industriellen Umfeld am weitesten verbreitet, da sie eine gute Kombination aus Genauigkeit, Messvolumen und Kosten bietet.
Taktile Messung erfasst Punkte durch mechanischen Kontakt eines Tasters mit dem Bauteil, optische Messung arbeitet berührungslos mit Kamera- oder Lasersensoren, was sich besonders für empfindliche Oberflächen eignet.
Ja, für belastbare und rückführbare Prüfberichte muss die Koordinatenmessmaschine regelmäßig kalibriert werden, idealerweise durch eine akkreditierte Stelle wie DAkkS.
Eine Koordinatenmessmaschine liefert nur dann eine verlässliche Aussage über die Maßhaltigkeit eines Bauteils, wenn Messpunkte, Toleranzen und Kalibrierung im Prüfbericht klar dokumentiert sind. Wer diese Angaben bereits in der Anfrage einfordert, vermeidet spätere Diskussionen über die Aussagekraft einer bestandenen Prüfung.
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