Beschaffung·6 min Lesezeit

RoHS-Konformität: Pflichten, Grenzwerte und Prüfung

Max Silanoglu
Max Silanoglu7/28/2026
RoHS-Konformität: Pflichten, Grenzwerte und Prüfung

Wer Elektronik oder elektrische Geräte aus Fernost importiert, kommt an RoHS nicht vorbei. Die Richtlinie begrenzt gefährliche Stoffe in genau diesen Produkten, und die Verantwortung für die Einhaltung liegt beim Importeur, nicht beim Hersteller im Ausland. Ein fehlender Nachweis kann eine ganze Sendung stoppen, lange bevor sie im Lager ankommt.

Kurz & knapp: RoHS steht für "Restriction of Hazardous Substances" und begrenzt zehn gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Rechtsgrundlage ist die Richtlinie 2011/65/EU, erweitert um vier Weichmacher. Die Einhaltung ist Teil der CE-Kennzeichnung. Importeure müssen sicherstellen, dass Stoffgrenzwerte eingehalten sind, dass Prüfnachweise vorliegen und dass die Konformitätserklärung die RoHS-Konformität abdeckt.

Was bedeutet RoHS?

RoHS ist die englische Abkürzung für "Restriction of Hazardous Substances", auf Deutsch die Beschränkung gefährlicher Stoffe. Die Richtlinie verbietet die Verwendung bestimmter Schwermetalle und Flammschutzmittel oberhalb festgelegter Grenzwerte in Elektro- und Elektronikgeräten. Ziel ist es, Mensch und Umwelt über den gesamten Lebenszyklus eines Geräts zu schützen, von der Produktion bis zur Entsorgung.

Die aktuelle Fassung ist die Richtlinie 2011/65/EU, oft als RoHS 2 bezeichnet. Sie wurde durch die Delegierte Richtlinie 2015/863 um vier Weichmacher erweitert, was häufig als RoHS 3 bezeichnet wird. Für Importeure ist RoHS damit kein einmaliges Thema, sondern eine Vorgabe, die sich weiterentwickelt.

RoHS ergänzt dabei die WEEE-Richtlinie zur Rücknahme und Entsorgung von Elektrogeräten: Während WEEE das Lebensende eines Geräts regelt, setzt RoHS bereits bei der Herstellung an und verhindert, dass gefährliche Stoffe überhaupt erst in den Kreislauf gelangen. RoHS 2 hat 2011 vor allem die Konformitätsbewertung verschärft und RoHS fest in die CE-Systematik integriert. Die EU-Kommission ist zudem verpflichtet, Stoffliste und Ausnahmen regelmäßig zu überprüfen, sodass sich der Rechtsrahmen fortlaufend weiterentwickelt.

RoHS-Konformität: Pflichten, Grenzwerte und Prüfung – Bild 1

Welche Stoffe sind durch RoHS verboten?

RoHS beschränkt zehn Stoffe, deren Anteil je homogenem Material einen festen Grenzwert nicht überschreiten darf. Für neun Stoffe liegt die Grenze bei 0,1 Prozent des Gewichts, für Cadmium bei 0,01 Prozent. Entscheidend ist die Betrachtung je Material, nicht je Gesamtgerät.

Stoff

Grenzwert (Gewicht je homogenem Material)

Blei (Pb)

0,1 %

Quecksilber (Hg)

0,1 %

Cadmium (Cd)

0,01 %

Sechswertiges Chrom (Cr VI)

0,1 %

Polybromierte Biphenyle (PBB)

0,1 %

Polybromierte Diphenylether (PBDE)

0,1 %

DEHP (Weichmacher)

0,1 %

BBP (Weichmacher)

0,1 %

DBP (Weichmacher)

0,1 %

DIBP (Weichmacher)

0,1 %

Der Begriff des homogenen Materials ist der Kern der Prüfung. Eine Lötstelle, eine Kabelisolierung oder eine Beschichtung wird jeweils einzeln bewertet. Ein Gerät kann also im Durchschnitt unbedenklich wirken und trotzdem an einem einzigen Bauteil die Grenze reißen.

Für welche Produkte gilt RoHS?

RoHS gilt für Elektro- und Elektronikgeräte, also für alles, was zum Betrieb elektrischen Strom oder elektromagnetische Felder benötigt. Seit der Öffnung des Anwendungsbereichs greift die Richtlinie über eine offene Auffangkategorie praktisch für alle Elektrogeräte, sofern keine ausdrückliche Ausnahme besteht. Den genauen Anwendungsbereich und die geltenden Ausnahmen dokumentiert die Europäische Kommission.

Typische betroffene Produkte sind Haushaltsgeräte, IT- und Telekommunikationsgeräte, Beleuchtung, Werkzeuge, Spielzeug mit Elektronik sowie Mess- und Kontrollgeräte. Für Einkäufer heißt das: Sobald ein Produkt eine Platine, einen Akku, ein Kabel oder eine Leuchte enthält, gehört die RoHS-Frage auf die Prüfliste. Dieselbe Logik kennen Sie bereits aus der CE-Systematik, denn RoHS ist einer der Bausteine, die in die CE-Kennzeichnung einfließen.

Welche Ausnahmen gelten von RoHS?

Nicht jede Verwendung eines beschränkten Stoffs ist automatisch verboten. RoHS listet in Anhang III und Anhang IV konkrete Verwendungszwecke, für die eine Ausnahme gilt, weil ein technischer Ersatzstoff (noch) fehlt oder die Zuverlässigkeit des Geräts sonst leiden würde. Anhang III erfasst allgemeine Verwendungszwecke, etwa bestimmte bleihaltige Lote in Hochtemperaturanwendungen oder Quecksilber in speziellen Lampentypen. Anhang IV betrifft ausschließlich Medizinprodukte sowie Überwachungs- und Kontrollinstrumente, die zunächst länger von der Beschränkung ausgenommen waren, inzwischen aber ebenfalls schrittweise einbezogen werden.

Entscheidend für Einkäufer: Eine Ausnahme gilt nur für den exakt beschriebenen Verwendungszweck und ist zeitlich befristet. Das Öko-Institut prüft im Auftrag der EU-Kommission laufend, ob bestehende Ausnahmen verlängert, eingeschränkt oder gestrichen werden. Ein Lieferant, der sich auf eine Ausnahme beruft, sollte daher immer die genaue Anhangsnummer und das Ablaufdatum nennen können, nicht nur pauschal behaupten, sein Produkt sei „ausgenommen“. Läuft eine Ausnahme aus, ohne dass ein Verlängerungsantrag genehmigt wurde, gilt für das betroffene Bauteil ab diesem Zeitpunkt wieder der reguläre Grenzwert.

Was ist der Unterschied zwischen RoHS und REACH?

RoHS und REACH werden oft verwechselt, regeln aber unterschiedliche Dinge. RoHS beschränkt zehn konkrete Stoffe in Elektrogeräten, REACH ist die deutlich breitere Chemikalienverordnung, die für nahezu alle Erzeugnisse gilt. Ein importiertes Elektrogerät muss in der Regel beide Anforderungen erfüllen.

Aspekt

RoHS

REACH

Geltungsbereich

Elektro- und Elektronikgeräte

nahezu alle Erzeugnisse und Chemikalien

Regelt

10 verbotene Stoffe je Material

Registrierung, SVHC-Kandidatenliste, Beschränkungen

Rechtsakt

Richtlinie 2011/65/EU

Verordnung (EG) Nr. 1907/2006

Nachweis

Teil der CE-Konformitätserklärung

Informationspflichten, Meldung bei SVHC über 0,1 %

In der Praxis fragen Einkäufer oft nur nach einem RoHS-Zertifikat und übersehen, dass REACH parallel gilt. Wir sehen regelmäßig Kunststoffteile und Kabel, die RoHS-konform sind, aber besonders besorgniserregende Stoffe nach REACH enthalten. Wer nur eine der beiden Regelungen abfragt, hat die Lieferkette nicht vollständig abgesichert. Deshalb verlangen wir von Lieferanten immer beide Nachweise gemeinsam.

Wie wird die RoHS-Konformität technisch geprüft?

In der Praxis läuft die Prüfung zweistufig ab. Im ersten Schritt kommt die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA/XRF) zum Einsatz: ein zerstörungsfreies Screening-Verfahren, das die Konzentration von Blei, Quecksilber, Cadmium, Chrom und Brom in Sekunden anzeigt und sich direkt beim Hersteller oder in der Wareneingangsprüfung einsetzen lässt. Liegt ein Messwert nahe am Grenzwert oder soll ein Ergebnis rechtssicher dokumentiert werden, folgt die nasschemische Analyse per ICP-OES oder ICP-MS, die exakte Konzentrationen je homogenem Material liefert.

Genau diese Bezugsgröße macht die Prüfung aufwendig: Ein Kabel muss vor der Messung in Isolierung, Litze und Stecker zerlegt werden, da jedes Teil einzeln als homogenes Material gilt. Belastbar sind Prüfberichte nur, wenn sie von einem nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Labor stammen, das über die reine Screening-Analyse hinaus auch die quantitative Bestätigung durchführt. Eine Eigenerklärung des Herstellers ohne Laborbericht ersetzt diesen Nachweis nicht.

In unserer Wareneingangsprüfung setzen wir XRF-Screening standardmäßig als ersten Schritt ein, noch bevor eine Charge freigegeben wird. Schlägt ein Bauteil beim Screening an, schicken wir die betroffene Charge gezielt zur nasschemischen Bestätigungsmessung, statt uns auf einen einzelnen Prüfbericht des Herstellers zu verlassen.

Welche Pflichten haben Importeure bei RoHS?

Importeure müssen die RoHS-Konformität aktiv sicherstellen, nicht nur auf Zusagen des Herstellers vertrauen. Sie dürfen ein Gerät nur in Verkehr bringen, wenn die Stoffgrenzwerte eingehalten sind und die entsprechenden Nachweise vorliegen. Diese Pflicht ist eng mit der CE-Kennzeichnung verzahnt, denn RoHS wird über dieselbe EU-Konformitätserklärung abgedeckt.

Pflicht

Was der Importeur konkret tun muss

Konformität prüfen

Prüfberichte und Stofferklärungen des Herstellers einholen

Dokumentation sichern

technische Unterlagen und Konformitätserklärung archivieren

Rückverfolgbarkeit

eigene Angaben auf dem Produkt, Chargen nachvollziehbar halten

Aufbewahrung

Unterlagen zehn Jahre nach Inverkehrbringen vorhalten

In unseren Beschaffungsprojekten in Fernost lassen wir RoHS-Konformität durch Prüfberichte akkreditierter Labore belegen, nicht durch eine bloße Eigenerklärung des Herstellers. Bei kritischen Bauteilen ziehen wir zusätzlich eigene Materialtests, bevor eine Serie freigegeben wird. Der frühe Test kostet wenig, ein Rückruf wegen Bleigehalt in einer Lötstelle dagegen sehr viel.

Was bedeutet China RoHS?

China RoHS ist ein eigenständiges chinesisches Regelwerk und nicht mit der EU-Richtlinie identisch. Es verwendet ähnliche Stoffbeschränkungen, hat aber eigene Kennzeichnungs- und Nachweispflichten. Ein Produkt, das China RoHS erfüllt, ist damit nicht automatisch EU-RoHS-konform.

Kennzeichnungstechnisch setzt China RoHS auf ein eigenes System: Produkte ohne kritische Stoffe erhalten ein grünes „e“-Symbol, Produkte mit Stoffen oberhalb der Grenzwerte ein oranges Symbol mit der sogenannten Umweltschutzgebrauchsdauer (Environmental Friendly Use Period, EFUP), einer Jahreszahl, die angibt, wie lange das Bauteil bei normaler Nutzung keine gefährlichen Stoffe freisetzt. Ob ein Produkt darüber hinaus eine Drittprüfung oder nur eine Selbsterklärung mit technischer Dokumentation benötigt, richtet sich nach der Compliance Management Catalogue des chinesischen Industrieministeriums MIIT, die laufend um weitere Produktgruppen erweitert wird.

Diese Unterscheidung ist für Importeure entscheidend. Lieferanten verweisen mitunter auf die chinesische Konformität, wenn europäische Nachweise gefragt sind. Für die Einfuhr in die EU zählt ausschließlich die Konformität nach 2011/65/EU. Wer aus Fernost bezieht, sollte diesen Punkt früh klären, wie auch unser Leitfaden zum China-Import nach Deutschland zeigt.

Was passiert bei fehlender RoHS-Konformität?

Fehlt die RoHS-Konformität, darf ein betroffenes Gerät nicht in der EU verkauft werden. Die Marktüberwachung kann den Vertrieb untersagen, einen Rückruf anordnen und Bußgelder verhängen. Bei Einfuhren trifft dies regelmäßig den Importeur, der die Ware in Verkehr gebracht hat.

In Deutschland setzt die Elektro- und Elektronikgerätestoff-Verordnung (ElektroStoffV) die RoHS-Richtlinie um. Verstöße gelten nach § 14 ElektroStoffV in Verbindung mit dem Produktsicherheitsgesetz als Ordnungswidrigkeit und können mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro je Verstoß geahndet werden, unabhängig von einem möglichen Rückruf und dem damit verbundenen Reputationsschaden.

Solche Beanstandungen tauchen häufig erst bei einer behördlichen Kontrolle oder in der Wareneingangsprüfung auf. Eine strukturierte Wareneingangsprüfung mit Stichproben und Dokumentenkontrolle ist deshalb die zweite Sicherung, nachdem die Konformität beim Hersteller belegt wurde. RoHS reiht sich damit in die weiteren Importbestimmungen für 2026 ein, die eine durchgängige Nachweiskette verlangen. Auch die Nähe zu anderen stofflichen Vorgaben wie der EUDR-Entwaldungsverordnung zeigt, dass Compliance zunehmend über die gesamte Lieferkette gedacht werden muss.

Häufige Fragen zur RoHS-Konformität

Was bedeutet RoHS? RoHS steht für "Restriction of Hazardous Substances" und beschränkt zehn gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten oberhalb fester Grenzwerte.

Ist RoHS dasselbe wie REACH? Nein. RoHS betrifft konkrete Stoffe in Elektrogeräten, REACH ist die allgemeine Chemikalienverordnung für nahezu alle Erzeugnisse. Elektrogeräte müssen beide Anforderungen erfüllen.

Für welche Produkte gilt RoHS? Für Elektro- und Elektronikgeräte, von Haushaltsgeräten über IT und Beleuchtung bis zu Werkzeugen und elektronischem Spielzeug. Eine offene Auffangkategorie erfasst nahezu alle Elektrogeräte.

Ist China RoHS dasselbe wie EU-RoHS? Nein. China RoHS ist ein eigenes Regelwerk mit eigenen Nachweispflichten. Für die Einfuhr in die EU zählt allein die Konformität nach 2011/65/EU.

Wer haftet für die RoHS-Konformität beim Import? Der Importeur. Er muss die Prüfnachweise einholen, die Dokumentation sichern und die Konformität über die CE-Konformitätserklärung belegen.

Fazit: RoHS-Konformität als festen Prüfschritt im Einkauf verankern

RoHS-Konformität ist für Importeure kein Etikett, das der Lieferant mitliefert, sondern eine eigene Pflicht mit klaren Grenzwerten und harten Konsequenzen. Wer weiß, welche Stoffe betroffen sind, für welche Produkte RoHS gilt und wie es sich zu REACH verhält, verhindert Vertriebsverbote und schützt die eigene Marke vor Rückrufen.

Als Beschaffungspartner verankern wir diesen Prüfschritt fest im Einkaufsprozess. Wir holen Prüfberichte akkreditierter Labore ein, fordern RoHS- und REACH-Nachweise gemeinsam an und lassen kritische Bauteile vor der Serienfreigabe testen. So wird aus einer komplexen Stoffvorgabe ein planbarer, dokumentierter Teil Ihrer Lieferkette.

👉 Sie importieren Elektronik oder elektrische Geräte aus Fernost und wollen die RoHS-Konformität sicher belegen? Vereinbaren Sie einen unverbindlichen Beratungstermin und wir prüfen Ihre Produkte gemeinsam.

Ihr Einkauf von morgen

Zuverlässig produzieren.

Ihre Anforderungen sind individuell. Unsere Lösungen auch. Lassen Sie uns darüber sprechen.

Gespräch vereinbaren

Newsletter Anmeldung

Melden Sie sich jetzt zu umserem kostenlosen Line Up Newsletter an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.