Beschaffung·7 min Lesezeit

Frachtkosten: Der vollständige Überblick

Max Silanoglu
Max Silanoglu8/14/2026
Logistikkoordinator prüft Frachtkosten am Container-Terminal

850 US-Dollar Frachtkosten stehen im Angebot, doch die Endrechnung nach dem Transport liegt mehrere hundert Dollar höher, ohne dass sich am Transportweg selbst etwas geändert hätte. Zuschläge wie Bunkerzuschlag und Hafenumschlag erklären diese Lücke fast immer, tauchen im ursprünglichen Angebot aber selten einzeln auf.

Kurz & knapp: Frachtkosten setzen sich aus der Grundfracht sowie mehreren Zuschlägen zusammen, etwa dem Bunkerzuschlag (BAF) für Treibstoffkosten und der Terminal Handling Charge (THC) für den Hafenumschlag. Berechnungsgrundlage ist dabei nicht immer das tatsächliche Gewicht, sondern das sogenannte frachtpflichtige Gewicht, der jeweils höhere Wert aus tatsächlichem und volumetrischem Gewicht.

Was gehört alles zu den Frachtkosten?

Frachtkosten bestehen aus der Grundfracht, der reinen Transportleistung von Ort A nach Ort B, sowie einer Reihe von Zuschlägen, die je nach Verkehrsträger und Route unterschiedlich ausfallen. In der Praxis ist auch von Transportkosten oder Speditionskosten die Rede, wobei ein einfacher Frachtkostenrechner meist nur die Grundfracht abbildet und die Zuschläge außen vor lässt. Auch bei der Seefracht von China nach Deutschland schwanken Grundfracht und Zuschläge je nach Route und Reederei erheblich. Die tatsächlichen Kosten werden damit häufig deutlich unterschätzt, wenn sich der Vergleich allein auf die Grundfracht stützt.

Für Einkäufer ist die Aufschlüsselung relevant, weil sich die einzelnen Bestandteile unterschiedlich entwickeln: Während die Grundfracht meist über Ausschreibungen verhandelbar ist, folgen viele Zuschläge externen Indizes wie dem Ölpreis und lassen sich kaum beeinflussen. Auf den ersten Blick wirkt ein Angebot, das nur die Grundfracht ausweist, oft günstiger, als es am Ende tatsächlich ist.

Frachtpflichtiges Gewicht: Holzkiste auf der Industriewaage

Wie berechnet man das frachtpflichtige Gewicht?

Frachtkosten werden nicht immer nach dem tatsächlichen Gewicht einer Sendung berechnet, sondern nach dem sogenannten frachtpflichtigen Gewicht. Das frachtpflichtige Gewicht ist dabei stets der höhere Wert aus tatsächlichem Gewicht und volumetrischem Gewicht, da leichte, aber sperrige Sendungen sonst überproportional viel Transportraum beanspruchen würden, ohne dass sich das im Preis widerspiegelt.

In unseren Sourcing-Projekten führt der Unterschied zwischen den Divisoren immer wieder zu Verwirrung: In der Luftfracht gilt üblicherweise der von der IATA empfohlene Divisor 6.000, während Kurierdienste wie Expresspaketdienste meist mit einem Divisor von 5.000 rechnen. Beide Werte werden in der Praxis häufig verwechselt, was bei der Kostenschätzung schnell zu falschen Erwartungen führt.

Verkehrsträger

Divisor

Volumetrisches Gewicht bei 1 m³

Luftfracht (Cargo, IATA-Standard)

6.000

ca. 167 kg

Expresspaketdienste

5.000

ca. 200 kg

Seefracht (LCL)

1.000

1.000 kg

Ein Rechenbeispiel macht den Unterschied greifbar: Ein Karton mit den Maßen 80 × 60 × 50 cm und einem tatsächlichen Gewicht von 25 kg kommt auf ein Volumen von 0,24 m³, woraus sich in der Luftfracht ein volumetrisches Gewicht von (80 × 60 × 50) ÷ 6.000 = 40 kg errechnet. Da 40 kg über dem tatsächlichen Gewicht liegen, wird die Sendung nach dem frachtpflichtigen Gewicht von 40 kg berechnet, nicht nach den tatsächlichen 25 kg.

Welche Zuschläge kommen zur Grundfracht hinzu?

Neben der Grundfracht enthalten Frachtkosten meist mehrere Zuschläge, die die eigentliche Transportleistung ergänzen. Der Bunkerzuschlag (BAF, Bunker Adjustment Factor) gleicht schwankende Treibstoffkosten der Reederei aus und zählt zu den zentralen Kostenbestandteilen einer Seefrachtsendung. Die Terminal Handling Charge (THC) deckt den Containerumschlag im Hafen ab und fällt sowohl am Abgangs- als auch am Bestimmungshafen an.

Weitere mögliche Zuschläge sind der Currency Adjustment Factor (CAF) für Währungsschwankungen, ein Congestion Surcharge bei Hafenstaus sowie saisonale Aufschläge in Zeiten hoher Nachfrage, etwa vor dem chinesischen Neujahr. Welche davon tatsächlich anfallen, hängt stark von Route und Verkehrsträger ab. Weil Zuschläge stark routenabhängig sind, lässt sich ein einzelnes Angebot nie einfach auf eine andere Relation übertragen.

Zuschlag

Bedeutung

BAF (Bunkerzuschlag)

Gleicht schwankende Treibstoffkosten aus

THC (Terminal Handling Charge)

Deckt Containerumschlag im Hafen ab

CAF (Currency Adjustment Factor)

Gleicht Wechselkursschwankungen aus

Congestion Surcharge

Zuschlag bei Hafenstaus oder Kapazitätsengpässen

Wie hängen Frachtkosten und Incoterms zusammen?

Welche Partei welchen Teil der Frachtkosten trägt, legt der vereinbarte Incoterm fest, also die vertraglich vereinbarte Lieferklausel, nicht die Frachtkosten selbst. Bei EXW trägt der Käufer praktisch die gesamte Frachtkette, bei DDP übernimmt der Verkäufer sie vollständig einschließlich Zoll.

Beim Vergleich von Frachtkosten zwischen zwei Angeboten sollte deshalb immer zuerst geprüft werden, ob beide auf demselben Incoterm basieren. Sonst vergleicht man leicht Äpfel mit Birnen, etwa eine FOB-Fracht ohne Hauptlauf mit einer DDP-Fracht, die bereits alle Zuschläge enthält.

Incoterm

Wer trägt die Frachtkosten?

EXW

Käufer trägt die gesamte Frachtkette ab Werk des Verkäufers

FOB

Verkäufer bis zur Verladung im Abgangshafen, danach Käufer

CIF

Verkäufer bis zum Bestimmungshafen, inklusive Seefracht und Versicherung

DDP

Verkäufer trägt die gesamte Frachtkette einschließlich Zoll

Welche Rolle spielen Frachtkosten beim Zollwert?

Bei der Ermittlung des Zollwerts nach der CIF-Methode zählen die Frachtkosten bis zum Bestimmungsort direkt zur Bemessungsgrundlage für Einfuhrzoll und Einfuhrumsatzsteuer. Eine unvollständig ausgewiesene Fracht kann daher zu Nachforderungen des Spediteurs und zu einer fehlerhaften Zollanmeldung führen, selbst wenn die Fracht auf der Handelsrechnung separat ausgewiesen ist. Für den Zollwert zählt stets die tatsächliche Fracht bis zum Bestimmungsort, unabhängig davon, wie sie in der Rechnung aufgeteilt ist.

In unseren Beschaffungsprojekten lassen wir uns Frachtkosten grundsätzlich vollständig aufgeschlüsselt vorlegen, inklusive aller Zuschläge, bevor eine Sendung verzollt wird. Das erspart im Nachhinein Diskussionen mit dem Zoll darüber, welche Kostenbestandteile tatsächlich in den Zollwert einzurechnen gewesen wären.

Wirkt sich die Wahl zwischen FCL und LCL auf die Frachtkosten aus?

Ja, deutlich: Bei einer Vollcontainerladung (FCL) zahlen Sie einen Pauschalpreis für den gesamten Container, unabhängig vom tatsächlichen Füllgrad, bei LCL dagegen anteilig nach Volumen oder frachtpflichtigem Gewicht. Für kleinere Sendungen ist LCL meist günstiger, ab einem gewissen Füllgrad kippt die Rechnung zugunsten von FCL.

Der Umschlagpunkt liegt dabei nicht bei einer festen Prozentzahl der Containerkapazität, sondern hängt von der aktuellen Rateneinschätzung ab: Bei niedrigen Seefrachtraten lohnt sich FCL oft schon ab einem geringeren Füllgrad, bei hohen Raten verschiebt er sich nach oben. Bei regelmäßig ähnlichen Sendungsgrößen lohnt es sich daher, beide Varianten in größeren Abständen neu durchzurechnen, statt sich einmalig auf eine Faustregel festzulegen.

Wie fließen Frachtkosten in die Gesamtkostenrechnung ein?

Frachtkosten sind nur einer von mehreren Bestandteilen der Gesamtkostenbetrachtung (Total Cost of Ownership) einer Beschaffung. Bleiben die tatsächlichen Frachtkosten samt Zuschlägen beim reinen Einkaufspreisvergleich zwischen Lieferanten unberücksichtigt, steht die Lieferantenauswahl auf unvollständiger Grundlage.

Besonders beim Vergleich mehrerer Fernost-Lieferanten mit ähnlichem Einkaufspreis, aber unterschiedlicher geografischer Lage, zeigt sich das deutlich: Ein vermeintlich günstigerer Lieferant kann durch längere Vorlaufwege zum Hafen oder ungünstigere Sammelgutrouten am Ende teurer sein als die Alternative. Erst wenn Einkaufspreis, Frachtkosten und Zollkosten gemeinsam betrachtet werden, lässt sich die tatsächlich wirtschaftlichste Option identifizieren.

Häufig gestellte Fragen zu Frachtkosten

Wie berechnet man Frachtkosten?

Frachtkosten ergeben sich aus der Grundfracht zuzüglich Zuschlägen wie BAF und THC, berechnet auf Basis des frachtpflichtigen Gewichts, also des höheren Werts aus tatsächlichem und volumetrischem Gewicht. Eine pauschale Formel für den Endpreis gibt es wegen der schwankenden Zuschläge nicht.

Was zählt alles zu den Frachtkosten?

Zu den Frachtkosten zählen die Grundfracht sowie sämtliche Zuschläge wie Bunkerzuschlag, Terminal Handling Charge und gegebenenfalls Currency Adjustment Factor oder Congestion Surcharge. Nicht dazu zählen in der Regel separate Positionen wie Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer.

Warum schwanken Frachtkosten so stark?

Frachtkosten schwanken vor allem, weil viele Zuschläge an externe Indizes wie den Ölpreis oder die verfügbare Transportkapazität gekoppelt sind. Saisonale Nachfragespitzen, etwa vor dem chinesischen Neujahr, verstärken diese Schwankungen zusätzlich.

Sind Frachtkosten bei FCL oder LCL günstiger?

Das hängt vom Füllgrad der Sendung ab: Für kleinere Teilladungen ist LCL meist günstiger, da nur der tatsächlich genutzte Anteil bezahlt wird. Ab einer gewissen Sendungsgröße wird der Pauschalpreis von FCL wirtschaftlicher.

Fazit: Frachtkosten lassen sich nur mit Blick auf alle Bestandteile seriös vergleichen

Die Grundfracht allein sagt über die tatsächlichen Frachtkosten wenig aus, wie die Zuschläge, das frachtpflichtige Gewicht und die Incoterms zeigen. Erst ihre Kombination ergibt ein vollständiges Bild, das sich seriös zwischen Angeboten vergleichen lässt. Werden diese Bestandteile schon bei der Anfrage klar benannt, statt sie erst auf der Endrechnung zu entdecken, lässt sich von einer deutlich stärkeren Position aus verhandeln.

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