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Ob Elektronik, Metallteile, Kunststoffprodukte, Konsumgüter oder Textilien: China ist einer der wichtigsten Beschaffungsmärkte für deutsche Unternehmen. Wir erklären, wie der China-Import nach Deutschland funktioniert, worauf Importeure achten sollten und wie sich typische Fehler vermeiden lassen.
Kaum ein anderes Land bietet eine vergleichbare Fertigungstiefe und Skalierbarkeit wie China. Gleichzeitig ist der Import aus China komplexer geworden. Neue regulatorische Vorgaben, steigende Anforderungen an Qualität und Dokumentation sowie ein dynamisches Zollumfeld stellen Unternehmen vor wachsende Herausforderungen.
Damit gilt: Wer Produkte aus China importieren möchte, braucht heute mehr als günstige Preise. Entscheidend sind klare Prozesse, belastbare Lieferanten und ein sauberes Verständnis der rechtlichen und zollrechtlichen Anforderungen.
China gilt nach wie vor als Werkbank der Welt. Das Land verfügt über spezialisierte Industriecluster, eingespielte Lieferketten und eine hohe Produktionskapazität. Für viele Unternehmen ist der Import aus China daher wirtschaftlich attraktiv, insbesondere bei der Serienfertigung und standardisierten Produkten. Trotz geopolitischer Spannungen und zunehmender Diskussionen um Lieferkettenresilienz bleibt China ein zentraler Handelspartner Deutschlands.
Allein China hat seinen Anteil an der weltweiten Produktion von 5 % im Jahr 1995 auf heute 32 % gesteigert
In zahlreichen Industrieclustern sind Zulieferer, Fertigung, Logistik und Qualitätssicherung eng verzahnt, was kurze Durchlaufzeiten und hohe Skalierbarkeit ermöglicht.
Besonders bei Elektronik, Metall- und Kunststoffprodukten verfügt China über eine Fertigungstiefe, die in anderen Beschaffungsmärkten nur schwer abzubilden ist.
Trotz steigender Lohn- und Energiekosten bleibt China aufgrund von Infrastruktur, Automatisierungsgrad und Fachkräfteverfügbarkeit wettbewerbsfähig.
China ist erneut Deutschlands größter Handelspartner und zugleich wichtigstes Lieferland.
Das bilaterale Außenhandelsvolumen liegt bei 185,9 Mrd. Euro, mit zuletzt wieder steigenden Importen um 8,5 % aus China.
Strategien wie „China plus One“ führen in der Praxis meist zu Risikostreuung, nicht zu einem vollständigen Ersatz Chinas als Beschaffungsmarkt.
China zählt seit Jahren zu den wichtigsten Importländern für deutsche Unternehmen, weshalb die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern eng verflochten sind. Besonders mittelständische Unternehmen profitieren von der Kombination aus Kostenstruktur, Fertigungskompetenz und Flexibilität.
Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen: Zollpolitische Entwicklungen, strengere Produktverantwortung und steigende Anforderungen an Transparenz erhöhen den organisatorischen Aufwand. Für Importeure bedeutet das: Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss den China-Import strategisch steuern und Risiken aktiv managen. Mit einem professionell aufgesetzten Beschaffungsprozess, der Lieferantenauswahl, Qualitätssicherung und Importabwicklung sauber verzahnt, ist dabei unerlässlich.
Grundsätzlich eignen sich viele Produktgruppen für den Import aus China. Besonders sinnvoll ist die Beschaffung bei Produkten mit klaren Spezifikationen, mittleren bis hohen Stückzahlen und reproduzierbaren Fertigungsprozessen.
China bietet eine hohe Fertigungstiefe und eingespielte Lieferketten, wodurch elektronische Komponenten und Baugruppen effizient in Serie gefertigt werden können.
Dank großer Produktionskapazitäten und moderner Fertigungstechnologien lassen sich Metall- und Maschinenbauteile bei klaren Zeichnungen wirtschaftlich herstellen.
China ist führend im Spritzguss und besonders bei standardisierten Teilen und größeren Stückzahlen ein wettbewerbsfähiger Produktionsstandort.
Breite Produktionsnetzwerke ermöglichen große Volumina, erfordern jedoch klare Qualitäts- und Compliance-Vorgaben beim Import nach Deutschland.
Weniger geeignet sind Produkte mit sehr kurzen Lieferzeiten, stark schwankender Nachfrage oder unklaren technischen Anforderungen. In diesen Fällen steigt das Risiko von Qualitätsproblemen und Verzögerungen deutlich.
Die Lieferantensuche ist einer der kritischsten Schritte beim Import aus China. Viele Unternehmen nutzen Plattformen, Messen oder Direktkontakte. Das kann funktionieren, birgt jedoch Risiken.
Häufige Probleme sind mangelnde Transparenz über Produktionskapazitäten, fehlende Qualitätsstandards oder Missverständnisse in der Kommunikation. Hinzu kommen kulturelle Unterschiede, die Anforderungen verfälschen können.
Ein strukturierter Auswahlprozess umfasst daher die Prüfung von Fertigungskompetenz und Kapazitäten, den Abgleich technischer Spezifikationen und klare Vereinbarungen zu Qualität und Prüfprozessen.
Line Up unterstützt Unternehmen mit einem etablierten Netzwerk geprüfter Hersteller in Fernost. Durch lokale Präsenz und Erfahrung in der Lieferantenauswahl lassen sich Risiken frühzeitig reduzieren.
Wer Waren aus China importiert, übernimmt als Importeur in Deutschland eine rechtliche Verantwortung. Dazu gehört die Einhaltung aller geltenden Produkt- und Sicherheitsanforderungen. Fehlende oder unvollständige Unterlagen führen häufig zu Verzögerungen oder Problemen bei der Einfuhr. Je nach Produkt sind unter anderem erforderlich:
Technische Dokumentationen
Konformitätsnachweise
Kennzeichnungen wie CE oder Materialangaben
Qualität entsteht nicht erst bei der Wareneingangskontrolle. Gerade bei neuen Lieferanten sind strukturierte Qualitätskontrollen essenziell, um Reklamationen und Nacharbeiten zu vermeiden. Entscheidend sind saubere Spezifikationen, Bemusterung und definierte Prüfprozesse vor dem Versand. Dazu zählen:
Erstmusterprüfungen
Serienfreigaben
Stichproben- und Endkontrollen
Beim Import aus China spielen Zoll, Steuern und Dokumentationspflichten eine zentrale Rolle. Grundlage für die Verzollung ist die korrekte Zolltarifnummer, da sie festlegt, welcher Einfuhrzoll aus China erhoben wird. Zusätzlich fällt in der Regel die Einfuhrumsatzsteuer an, die bei der Einfuhr nach Deutschland zu entrichten ist und sich auf den Warenwert inklusive Transportkosten bezieht.
Ebenso entscheidend ist eine vollständige und korrekte Dokumentation der Lieferung. Dazu zählen insbesondere die Handelsrechnung, die Packliste sowie die erforderlichen Fracht- und Transportpapiere. Abhängig von Produkt und Herkunft können zudem Ursprungsnachweise notwendig sein, etwa um Zollvergünstigungen oder regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Fehler oder Unstimmigkeiten bei der Zollanmeldung führen nicht selten zu Verzögerungen, zusätzlichen Kosten oder Nachzahlungen. Da sich Zoll- und Importregelungen regelmäßig ändern, ist es für Importeure unerlässlich, die aktuellen Anforderungen kontinuierlich zu prüfen und den Importprozess entsprechend anzupassen.
Beschreiben Sie das Produkt so konkret wie möglich: Maße, Materialien, Oberflächen, Toleranzen, Funktionen, Verpackung, Kennzeichnungen und gewünschte Normen. Je eindeutiger die Spezifikation, desto geringer ist das Risiko von Fehlproduktionen.
Legen Sie fest, welche Qualitätskriterien gelten (z. B. zulässige Abweichungen oder Prüfumfang) und welche regulatorischen Anforderungen erfüllt werden müssen, etwa Kennzeichnungen oder Konformitätsnachweise für den Import nach Deutschland.
Identifizieren Sie passende Hersteller und prüfen Sie, ob sie Ihre Anforderungen technisch und organisatorisch erfüllen. Wichtig sind unter anderem Erfahrung mit ähnlichen Produkten, Produktionskapazität, Referenzen und Kommunikationsfähigkeit.
Sorgen Sie dafür, dass Angebote wirklich vergleichbar sind: Preis, Mindestbestellmenge, Werkzeugkosten, Lieferzeit, Incoterms, Zahlungsbedingungen, Musterkosten und Qualitätsvereinbarungen sollten eindeutig dokumentiert sein.
Lassen Sie Muster fertigen und prüfen Sie diese gegen Ihre Spezifikationen. Geben Sie die Produktion erst frei, wenn Material, Funktion, Maße, Verarbeitung und Verpackung passen. Änderungen sollten schriftlich fixiert werden, bevor die Serie startet.
Nach der Musterfreigabe beginnt die Serienfertigung. Klären Sie Meilensteine, Zwischenabnahmen und Kommunikationsroutinen, damit Abweichungen nicht erst am Ende sichtbar werden.
Führen Sie vor der Auslieferung eine Prüfung durch (je nach Risiko stichprobenbasiert oder umfangreicher). Ziel ist, Mängel früh zu erkennen und Nacharbeit zu veranlassen, bevor die Ware das Werk verlässt.
Wählen Sie Transportart und Route, stimmen Sie die Incoterms ab und stellen Sie sicher, dass alle Unterlagen vollständig sind (Handelsrechnung, Packliste, Transportpapiere, ggf. Ursprungsnachweise). Hier gemachte Fehler verursachen häufig Verzögerungen.
Klären Sie Zolltarifnummer, Einfuhrzoll und Einfuhrumsatzsteuer und sorgen Sie für eine korrekte Zollanmeldung. Eine saubere Datenlage ist entscheidend, um Nachzahlungen und Standzeiten zu vermeiden.
Prüfen Sie die Ware nach Ankunft stichprobenartig oder risikobasiert und dokumentieren Sie Abweichungen. Nutzen Sie die Ergebnisse, um Lieferanten zu bewerten und den Prozess für die nächsten Bestellungen zu verbessern.
Viele Probleme beim China-Import lassen sich auf wiederkehrende Fehler zurückführen. Dazu zählen unklare Spezifikationen, fehlende Qualitätskontrollen oder eine zu starke Fokussierung auf den Preis.
Auch unterschätzte Nebenkosten für Zoll, Transport oder Nacharbeiten führen häufig zu Überraschungen. Ein weiterer häufiger Fehler sind Kommunikationsprobleme, die zu falschen Erwartungen führen.
Nicht zuletzt fehlt oft eine klare Verantwortlichkeit. Wer Produkte importiert, trägt die rechtliche Verantwortung und sollte diese aktiv steuern.
China bleibt ein zentraler Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen. Die Vorteile sind unbestritten, doch der Import ist anspruchsvoller geworden. Der Importerfolg entscheidet sich heute weniger durch das Produkt selbst, sondern durch die Qualität des gesamten Prozesses.
Wer Produkte aus China importieren möchte, sollte daher Lieferantenauswahl, Qualitätssicherung und Zollabwicklung professionell verzahnen. So lassen sich Risiken minimieren und wirtschaftliche Potenziale ausschöpfen.
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